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Vesela, 25

Small

Master-Stipendium

Medienwissenschaft, Berlin

Bewirbt sich um 1000 €

Das Stipendium brauche ich für

Umzug nach Berlin für den Master

15. Juni 2009, 5:13 Uhr: noch siebzehn Minuten und die Nachtschicht ist vorbei. Dann muss ich mich ganz schnell umziehen, damit ich die Bahn 5:37 Uhr noch schaffe. 6:05 Uhr bin ich zu Hause, bis 6:20 Uhr duschen, eventuell schnell was essen, also hätte ich zwei Stunden Zeit zum Schlafen… 9:20 Uhr beginnt das Seminar, das ich nicht verpassen darf – heute ist meine Arbeitsgruppe mit einem Referat zum Thema „Standards für die Reichweitenermittlung bei Online Medien“ dran. Ich wollte wegen der Nachtschicht nicht vortragen, sollte aber wenigstens rechtzeitig da sein. Aber der Dienst in der Zigarettenfabrik hat sich wenigstens gelohnt – 7 Stunden mal 6 Euro pro Stunde plus Nachtzuschlag – also hätte ich schon mal ein Viertel vom Geld für die Miete. In der Mittagspause gehe ich in die Bibliothek – da bin ich als studentische Hilfskraft im Referat Lieferservice tätig. Die Arbeit ist sehr langweilig und ich fühle mich immer schlecht, wenn ich die anderen beim Lernen beobachte, aber mit zwei Diensten da habe ich schon das Geld für meine Telefonrechnung verdient. Abends gehe ich dann immer kellnern – man bekommt weniger pro Stunde als bei den anderen zwei Nebenjobs, dafür zusätzlich noch Trinkgeld und schon mit einem Mal habe ich das Geld für den monatlichen Krankenversicherungsbeitrag! Nachmittags versuche ich zu lernen, doch meistens schlafe ich sofort ein, bin ständig übermüdet nach der Arbeit nachts. Trotzdem hoffe ich, dass ich demnächst mehr Dienste im Restaurant bekomme – bald ist Sommer und zu dieser Zeit ist immer viel los da, kann ein bisschen mehr Geld für das Essen und Sonstiges dazu verdienen. Doch für den Rest der Miete muss ich nächste Woche Montag bis Mittwoch wieder in der Fabrik arbeiten und Vorlesungen und Seminare an der Uni ausfallen lassen. Ich hoffe, dass Kerstin auch diesmal für mich unterschreibt, das macht sie immer. Eventuell kauf ich mir diesmal aber ein Buch – „Unleashing Web 2.0: From Concepts to Creativity“ von Gottfried Vossen und Stephan Hagemann von Academic Press – Prof. Wagner hatte es in der Vorlesung empfohlen, klang ganz interessant. Obwohl, nee… Mein Freund Peter hat Geburtstag nächsten Freitag, da ich nicht mit ihm feiern gehen kann (freitags bin ich immer im Restaurant), möchte ich ihm wenigstens etwas Kleines schenken, hoffentlich kann er das verstehen. Zeit für die Umfragen im Call Center finde ich die nächsten Wochen allerdings nicht, ich muss mich auf die Prüfungszeit vorbereiten. Die 400 Euro für den Monat sollte ich trotzdem schon verdienen, das ist das Wichtigste. Wenn ich alles zusammenrechne und durch den Stundenlohn teile, sind das knapp drei Stunden jeden Tag, in denen ich arbeiten muss, damit ich mein Masterstudium finanzieren kann – zu den Lebenshaltungskosten kommen natürlich noch die Semestergebühren, hier in Berlin sind diese ein bisschen höher als in Dresden, wo ich mein Bachelor gemacht habe. Mindestens einmal im Jahr versuche ich auch, nach Hause zu fahren. Nachdem ich das erste Jahr Weihnachten allein im Wohnheim gefeiert
habe, fahre ich eigentlich immer zu dieser Zeit. Weihnachten soll man mit der Familie verbringen – meine Eltern freuen sich auch immer. Die armen, sie fühlen sich so schuldig, dass sie mich nicht finanziell unterstützen können, aber sonst helfen sie mir immer, wo sie nur können. Das Ergebnis meiner Arbeit sehe ich in deren Augen. Immer wenn ich erzähle, dass ich etwas geschafft habe, sind sie ganz stolz… Aber zurück zu den drei Stunden am Tag – manchmal sind es natürlich viel mehr, manchmal auch gar keine. Mit meinen unsicheren Jobs in der Zigarettenfabrik, der Bibliothek, dem Restaurant und als Call Center Agent kann ich das schwer einteilen. Um etwas Besseres zu finden, hatte ich bis jetzt aber keine Zeit – in den drei Jahren in Dresden war es immer so. In dem halben Jahr in Frankfurt, wo ich letztes Semester ein Praktikum absolviert habe, hat sich auch nicht viel geändert. Zwar habe ich da ein festes Gehalt bekommen, doch das Leben im Zentrum der Banken- und Versicherungswelt ist so teuer! Also musste ich auch da nebenbei arbeiten, sparen für später konnte ich allerdings kaum. Das Wenige, was am Ende übrig geblieben ist, musste ich im Umzug Anfang April bzw. den ersten Wochen an meinem neuen Wohnort (Berlin) investieren. Nur die Fahrt hat mich schon 100 Euro gekostet! Kaum hatte das Semester angefangen und musste ich schnell wieder Geld verdienen. Zeit für Bewerbungen, Vorstellungsgespräche und Abwarten gab es nicht. Nun mache ich so weiter, vielleicht schaffe ich es dann in den Sommerferien, etwas Qualifiziertes zu finden – dafür habe ich doch studiert! Und das Masterprogramm klingt so spannend, ich hoffe ich muss es nicht aus finanziellen Gründen sein lassen. Englisch wollte ich eigentlich auch noch machen. Sport kann man an der Uni ebenfalls günstig treiben. Neulich habe ich von Kursen wie beispielsweise „Projektmanagement“ oder „Fit für den Berufseinstieg“ erfahren, die vom Europäischen Sozialfond finanziert werden! Nur wenn man Zeit hätte… Aber Zeit ist Geld… Oh, es klingelt! Die Schicht ist vorbei, ich darf nach Hause! Sorry, ich muss mich beeilen, sonst schaffe ich die Bahn nicht mehr und die nächste kommt erst in 30 Minuten!...
31.03.2009, 00:10 Uhr: Sie können dieses Szenario verhindern und mit 1.000 Euro meinen Umzug nach Berlin bzw. die ersten Monate meines neuen Lebensabschnitts fördern? Mein Alltag würde dann anders aussehen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!