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Andreas, 31

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Stipendium für Uni-Literatur

Politikwissenschaft, Berlin

Bewirbt sich um 336 €

Liebe Wählerinnen, Liebe Wähler,
Liebes Absolventa-Team,
als erstes bedanke ich mich bei Euch ganz
herzlich für Euer entgegengebrachtes Vertrauen
in mich und dafür, dass ich die
Möglichkeit erhalten habe, in die zweite
Runde aufgenommen zu werden. Um diesem
Vertrauen gerecht zu werden, möchte
ich im Folgenden jenes offenbaren, was
sich aus meinem Absolventa-Profil zunächst
einmal nicht erschließt, nämlich
zum einen meine Motivation für eine erfolgreiche
Teilnahme am 1. Demokratischen
Stipendium darstellen sowie zum
anderen meine Notwendigkeit für jene finanzielle
Mittel begründen, um die es in
diesem Schreiben geht.
Ein Stipendium dieser Art ist eine Bereicherung für alle Beteiligten in jeder Hinsicht.
Wer bin ich eigentlich? Nun diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Ich möchte
dennoch versuchen, eine kurze Antwort hierauf zu finden und skizziere im Groben meinen
Lebenslauf.
Vor 28 Jahren, aus meiner Sicht einer Ewigkeit, wurde ich in Duschanbe, der Hauptstadt
von Tadschikistan, inmitten von Asien, geboren. Als sich dort die ersten Anzeichen politischer
Instabilität der zum Scheitern verurteilten Sowjetunion bemerkbar machten, floh meine
Familie in die Heimat meiner Mutter. Somit begann meine Schullaufbahn, die sich im
Rückblick als eine Odyssee charakterisieren lässt, in einer russischen Schule in einer kleinen
Siedlung nicht weit der finnischen Grenze am finnischen Meerbusen, einer Landschaft,
die bis heute mein Verständnis von Idylle prägt. Im Alter von elf Jahren immigrierte ich mit
meiner Familie schließlich in die Bundesrepublik Deutschland, der Heimat der Vorfahren
meines Vaters.
Meine Schulkarriere begann ich dort ohne jeglichen Deutschkenntnisse auf einer Hauptschule
in Süddeutschland, es folgten zwei Jahre auf einer Realschule in Freiburg bis ich
schließlich in der zehnten Klasse auf ein Gymnasium wechselte. In der elften Klasse entschloss
ich mich für einen anderen Weg, denn es gab für mich seit dem eine Zeit bei der
Marine. Ich verpflichtete mich eine militärische Laufbahn einzuschlagen, die vier Jahre
dauern sollte. Während dieser Zeit lernte ich die Welt und ihre Bewohner kennen. Ich lernte
Nationalitäten, Mentalitäten und Kulturen kennen, die bis heute meinen Wissensschatz und meine Toleranz gegenüber anderen prägen. Ich hatte damals viel Gelegenheit, nachzudenken
und entschloss mich, mein Abitur nachzuholen. Auf dem zweiten Bildungsweg
habe ich meine Berechtigung für ein Hochschulstudium mit Erfolg erlangt. Während dieser
Zeit auf dem Abendgymnasium in Freiburg habe ich viele interessante Menschen und ihre
Geschichten kennen gelernt, Menschen die eines gemeinsam haben, Zielstrebigkeit, Geduld
und Beharrlichkeit.
Noch während des letzen Halbjahres auf dem Abendgymnasium habe ich „im Tandem“ ein
Studium begonnen: Ein Semester lang studierte ich Internationale Betriebswirtschaftslehre
an der Hochschule Furtwangen University. Die Betriebswirtschaftslehre erwies sich für
mich jedoch als weniger interessant und herausfordernd. Meine Motivation war eine andere.
Ich Interessierte mich für Menschen und den Bedingungen, unter denen wir auf dieser
Welt miteinander leben. Diesem Interesse komme ich mit meinem derzeitigen Studium
nach. Ich studiere begeistert Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin im dritten
Semester.
Die Politikwissenschaft ist ein Teilbereich der Sozialwissenschaften und befasst sich mit
jenen Fragen, die sich auf die Menschen und den Bedingungen ihres Zusammenlebens beziehen.
Nicht alle Fragen sind gleichermaßen positiv anklingend, doch umso wichtiger sind
diese für die Lösungen, die zu finden sich die Politikwissenschaft verschrieben hat. Eine aus
meiner Sicht prioritäre Frage ist die nach den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten von
Konflikten, von denen es nach wie vor eine Vielzahl auf unserem Planeten gibt.
Hier schließt sich der Kreis meiner frühen Kindheitserfahrung, in einem politisch instabilen
Gebiet zu leben, und meiner jetzigen Berufung.
Nun komme ich zu der Begründung meiner materiellen Notwendigkeit, dem Hauptanliegen
dieses Schreibens. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt von Leistungen nach dem BAföG
sowie aus Einnahamen aus einem studentischen Job. Hiervon werden meine existenziellen
Notwendigkeiten, wie Miete, Krankenversicherung sowie Ernährung insgesamt gedeckt.
Studienbedingte Aufwendungen, die für einen erfolgreichen Studienabschluss notwendig
sind, müssen von mir durch eine Zweitjob finanziert werden. Unregelmäßige Jobs zur Deckung
dieser finanziellen Lücken nehmen viel Zeit in Anspruch, sind sehr unsicher und lenken
mich erheblich vom Studium ab. Aus diesem Grund würde das 1. Demokratische Stipendium
meine außeruniversitäre Belastung enorm reduzieren und mir die unschätzbar
wichtige Möglichkeit bieten, meine Zeit effektiver und effizienter für Studienleistungen zu
nutzen. Dies wäre für mich ein außerordentlicher Gewinn und eine Chance, mich noch
intensiver als zuvor den wichtigen politischen Themen zu widmen.
Ich bewerbe mich daher für ein Stipendium von 1.000,00 Euro. Bevor ich detailliert den
Verwendungszweck dieser Summe darstelle, möchte ich jenes hervorheben, wovon ich
denke, was mich auszeichnet.
Als Wohnheimtutor eines Berliner multikulturellen Studentenwohnheims berate ich internationale
Studierende zu allen Fragen sozialer Art. Damit leiste ich einen wichtigen Beitrag für
Integration und Verständigung. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich Seminare u.a. zu den
Themen multikulturelle Sensibilität, Organisation u.ä. absolviert. Mein neustes Projekt auf
diesem Feld ist die Einführung eines Handyleihkreislaufs für Studierende, die sich kurzfristig
in Deutschland aufhalten. Im Rückblick auf das zurückliegende Jahr 2008 können als besondere
Aktivitäten, Orientierungsseminare für Studienanfänger und Studienanfängerinnen
sowie sportliche Wettkampfveranstaltungen genannt werden. Diese Arbeit möchte ich trotz
der mageren Bezahlung fortsetzen, denn ich halte soziales Engagement für sehr wichtig.
Eine bessere Bezahlung wäre in einem anderen Job sicherlich möglich, jedoch würde es
einen Nachteil für das Dienstleistungsangebot für internationale Studierende bedeuten. Der
Arbeitsvertrag ist auf zwei Jahre befristet und endet im März 2010. Bis dahin hoffe ich durch
das 1. Demokratische Stipendium auf diese Arbeit nicht verzichten zu müssen.
Der Verwendungszweck meines Betrages setzt sich aus drei Elementen zusammen. Es handelt
sich zunächst um zwei Semesterbeiträge je 250,00 Euro, die jeweils zum Februar 2009
und August 2009 anfallen. Als zweiter Kostenbrocken erweist sich mein Internetanschluss,
der einerseits für das Studium der Sozialwissenschaften unabkömmlich ist, andererseits eine
enorme finanzielle Belastung darstellt. Hier beantrage ich eine Summe von insgesamt
336,00 Euro. Damit kann ich die nächsten zwölf Monate studienbezogen recherchieren.
Der letzte Betrag von ca. 164,00 Euro korrespondiert mit den Kosten für Reader, Textsammlungen
für Seminare. Das Studium der Politikwissenschaft wird oftmals und zu Recht als
Lesestudium charakterisiert. Leider ist dies auch mit Kosten für Kopien verbunden. Der Preis
für einen Seminarbegleitenden Reader bewegt sich zwischen 7,00 Euro und 24,00 Euro.
Von 164,00 Euro wäre ich in der Lage zehn Lektüresammlungen für Seminare zu erwerben.
Nun hoffe ich alles gesagt zu haben und bedanke mich für Eure Geduld!
In Dankbarkeit
Euer Andreas