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Marcus, 34
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Stipendium fürBafög-Rückzahlung
Geschichte und Italianistik, Berlin
Bewirbt sich um 836,49 €
Einen schönen Guten Tag an das Absolventa-Team,
hiermit bewerbe ich mich um ein demokratisches Stipendium. Seit Juli 2008 bin ich an der
Universität Leipzig als Doktorand eingeschrieben. Der Weg bis hierher war nicht einfach. Die
Konkurrenz im akademischen Betrieb ist enorm. Ich kämpfe seit dem Abschluss meines Studiums
in Geschichte und Italianistik um ein Stipendium.
Genau aus diesen Eindrücken muss ich sagen, dass ich die Idee, ein demokratisches Stipendium
zu vergeben, Klasse finde. Denn ich habe (wie ihr vielleicht) den Eindruck gewonnen, dass Stipendien
auf recht undemokratische, auf jeden Fall nicht-transparente Weise vergeben werden.
Einen derart kritischen Standpunkt unterstütze ich mit Begeisterung. Dabei erinnere ich mich an
eine Betreuerin meiner Dissertation, die mir kopfschüttelnd vermittelte, dass eigentlich nie Stipendien
wirklich ausgeschrieben seien. Hinter den Kulissen sei schon alles vergeben...
Doch zunächst zu meiner Person:
Ich habe in Berlin, Pisa und Leipzig studiert. Schon allein durch die Ortswechsel hat sich
mein Studium ungewollt verlängert. Zunächst habe ich mein Grundstudium im ersten HF Geschichte
an der TU Berlin in zwei Semestern gemeistert. Der darauf folgende Erasmus-Aufenthalt
in Italien war eine wichtige Erfahrung für mich. Jedoch auch dieser Weg der Ausbildung kostete
mich Zeit. Nach dem Wechsel an die Universität Leipzig musste ich mich in kurzer Zeit den
Anforderungen der Sächsischen Hochschulgesetze anpassen. Das ist mir erfolgreich gelungen.
Allerdings war auch für diesen Prozess, wie z.B. für das Nachholen des großen Latinum, eine
Menge Ausdauer notwendig. Neben dem Studium musste ich auch immer wieder Gelegenheitsarbeiten
aufnehmen, um ein wirtschaftliches Auskommen zu haben. In dieser Gemengelage kann
ich mein Studium auch in dieser Länge und mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis
(Note 1,8) rechtfertigen.
Zu meiner jetzigen Situation: zur Zeit bin ich bei GRAVIS, einem großen Apple-Händler in
Deutschland, als Teilzeit-Sachbearbeiter beschäftigt. Ich kümmere mich u.a. um das Lektorat
unserer Website. GRAVIS ist nicht mehr und nicht weniger als mein Brotjob. Daneben habe ich
in den letzten zwei Jahren als freier Mitarbeiter bei einer Agentur für Wissenschaftsberatung immer
wieder in kurzer Zeit neue Themen behandelt und ausgearbeitet. Diese Arbeit macht mir sehr
viel Spass – allerdings kann ich hier nicht meinen eigenen Forschungsfelder nachgehen und unterliege
Sachzwängen. Diese Arbeit bleibt also Stückwerk.
Über meine Doktorarbeit: Meine Forschungsarbeit beschäftigt sich gerade mit den Veränderungen
des Lebensryhthmus der modernen WeltenWanderer. Ich möchte zeigen, dass in den letzten
200 Jahren sich die Motive des modernen Nomadentums grundsätzlich umstrukturiert haben.
Vom Selbstzweck und wissenschaftlichen Luxus (Goethes Italienreisen) wurde die Lohnarbeit
sukzessive zum einzigen Taktgeber des wandernden Menschen. Die gesteigerte globale Mobilität
im 21. Jahrhundert ist, so meine übergreifende These, ein untergeordneter Prozess einer beschleunigten
Zirkulation von Waren und Kapital.
Warum Absolventa e.V. gerade mich fördern sollte:
Ich denke, dass ich an der Reihe bin in den Genuss eines Stipendiums zu kommen, weil ich über
Jahre hinweg wissenschaftliche Forschungen betrieben und so über ein solides Fundament für
meine Dissertation (vgl: Power-Point-Präsentation) verfüge. In den letzten drei Jahren habe
ich immer wieder Exposes zu verschiedenen Themen erstellt, ohne das meine Leistung honoriert
wurde. Wenn ich Exposés erarbeitete, musste ich meinen Brotjob vernachlässigen. So
hatte ich auf Dauer viel zu wenig Geld zur Verfügung. Diese Misere dauert bis heute an. Ich stehe
auch dazu, dass ich keine Verbindungspersonen in Stiftungen und im akademischen Betrieb habe,
die mir eine Stelle zuschanzen. Und ich denke, dass das auch nicht notwendig sein sollte, um
eine Promotion mit materieller Freiheit zu meistern.
Zudem wird es für mich mit 31 Jahren immer schwerer eine Promotionsstipendium zu bekommen.
Deshalb ist das Absolventa-Stipendium eine meiner wenigen letzten Chancen. Ich
hoffe eine faire Abstimmung könnte mir ganz neue Möglichkeiten und Wege in meiner wissenschaftlichen
Laufbahn eröffnen.
Abschließend möchte ich bei allen Bewerbern einen minimalen solidarischen Geist, trotz und
gerade wegen der allgemeinen und besonderen Konkurrenzsituation anmahnen. Denn das Leben
ist mehr als die Jagd auf ein Stipendium. Ich möchte deshalb dazu aufrufen, über eine gemeinsame
gewerkschaftlich-organisierte Vertretung von Akademikern und besonders von Geisteswissenschaftlern
nachzudenken und zu handeln. Denn wie jede andere Arbeitnehmergruppe haben
auch wir als Geisteswissenschaftler legitime Ansprüche an einen bezahlten Arbeitsplatz, aber
auch auf nicht-materiell-honorierte Anerkennung von Arbeit.
Wieviel Förderung ich brauche:
Bafög-Rückzahlung
536,49 Dieser Posten hat für mich die höchste Priorität, weil es für
mich sehr schwierig ist, diesen Betrag, neben den laufenden
Kosten, aus dem “Nichts” zu zaubern.
Bücher/
Zeitschriften/
kostenpflichtige
Weiterbildungen
Ich veranschlage hier 300 Euro für Bücher und Zeitschriften,
die nicht oder sehr schwer zugänglich sind.
Herzliche Grüße
Marcus















