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Sebastian, 29

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Stipendium für Diplomarbeit

Informatik, Berlin

Bewirbt sich um 400 €

Wenn ich jemanden mein Studienfach nenne, lese ich in den Augen meines Gegenübers meist folgenden gedankliche Klischeereaktion: „Computer-Nerd“ steht für eine extreme Form des Computerfreaks als gesellschaftlichen Außenseiter, der sich auffallend intensiv mit dem Computer beschäftigt.“ Ich lächle. Der Andere schenkt mir ein wohlwollendes Nicken und sein Blick verabschiedet sich mit einer gekonnten Abrundung des ewigen Vorurteils: „Er agiert vorwiegend allein, selten auch innerhalb abgeschotteter Gruppen und hält meist nichts von Nicht-Nerds.“ Mittlerweile studiere ich im 10. Semester Informatik, kenne diese Situation nur all zu gut und schwanke immer ein wenig zwischen Belustigung und Stolz. Würde man meine Freunde fragen, was für eine Art Mensch ich bin, würden sie mich als sozial, freundlich und ausgeglichen beschreiben. Sie würden das Bild eines toleranten aber ehrgeizigen jungen Mannes zeichnen, der eben so viel Spass im ausgelassenen Beisamensein wie in der intellektuellen Auseinandersetzung findet. Kurz: ich bin erstaunlich normal. Das was ich tue, tue ich eben gern.

Meine erste offizielle Begegnung mit dem Fachgebiet der Informatik hatte ich in der Schule – zwei Jahre vor dem Abitur. Trotz eines sehr engagierten Lehrers kam bei mir die Begeisterung nur sehr langsam auf. Ich konnte damals noch nichts mit Bits und Bytes oder Algorithmen anfangen, ganz zu schweigen von Objektorientierter Programmierung.

Nach meinem Abitur habe ich dann eine Stelle als Zivildienstleistender im Rechenzentrum des Universitätsklinikums Benjamin Franklin angenommen. Während dieser Zeit änderte sich meine Einstellung zum Fach Informatik kontinuierlich. Ich bekam Einblicke in die digitale Welt, in die Probleme, die entstehen, wenn man Computer als Arbeitsgeräte einsetzen muss und die Hindernisse und Einschränkungen, die sich daraus ergeben. Meine Aufgabe war es die Hard- und Software im Klinikum zu pflegen und wo immer ein Problem auftrat zur Stelle zu sein und es zu lösen. Dabei kam ich immer wieder mit wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren, die im Klinikum arbeiteten, ins Gespräch.

Von ihnen habe ich gelernt, dass Rechner längst nicht das leisten können, was die Anwender von ihnen erwarten. Gerade in der Medizin gab und gibt es viele offene und noch unzureichend geklärte Fragen. Während meines Zivildienstes nutzte ich die Möglichkeit, mein Wissen aus Gesprächen mit Forschern aus dem Bereich der Genetik zu erweitern. Probleme mit Analysen von Gendatenbanken und dem exakten Finden von Genen oder deren Sequenzen liessen mich erkennen, daß es auf dem Gebiet der Bioinformatik erheblichen Forschungsbedarf gibt. Das war 3 Jahre nachdem das menschliche Genom bereits entschlüsselt war. Ich entschloss mich Informatik zu studieren und meinen Beitrag zur Entwicklung effizienterer Algorithmen anzustreben.

Um die Hintergründe der Bioinformatik besser zu verstehen, habe ich Biologie als Nebenfach gewählt. Das Studium der Biologie ermöglichte es mir mich immer wieder mit den interdisziplinären Zusammenhängen zwischen Informatik und Biologie zu beschäftigen. Die Kurse in meinem Informatik-Hauptstudium an der Humboldt Universität zu Berlin bereichern mich sehr. Ich finde immer mehr Spass an dem was ich lerne und tue und wünschte mir rückblickend, dass mich diese Begeisterung bereits zu Beginn meines Studiums ereilt hätte. Leider waren zum Zeitpunkt meines Studienbeginns die Studienbedingungen nicht optimal. Aufgrund der studentischen Streiks fanden nur ca. ein Zehntel der Kurse überhaupt statt, was dazu führte, dass die Studenten gezwungen waren sich das nicht-vermittelte Wissen zu großen Teilen selbst anzueignen. Wir stellten uns dieser Herausforderung, indem wir uns zu Gruppen zusammen schlossen und versuchten uns gegenseitig in das Fachgebiet der Informatik einzuführen. Kein leichtes Unterfangen für einen Erstsemester. Ein Spiegelbild dieser turbulenten Zeit ergibt sich aus meinen Vordiplomnoten und den 5 Jahren Studium, die ich bereits hinter mir habe. Nichtsdestotrotz bin ich stolz mich dieser Herausforderung gestellt zu haben und bin auch heute noch mit vielen meiner damaligen Leidensgenossen in Freundschaft verbunden.

Heute genieße ich die kompetente Wissensvermittlung durch versierte Professoren und erfahre zunehmende Bereicherung durch das Erlernte.
Im Rahmen meines Hauptstudiums eröffneten sich mir so interessante Themenfelder wie „Datenbank Management Systeme“, „Data Warehousing“ und „Data Mining“ Das Besuchen entsprechender Kurse half dabei mir ein besseres Bild von meinem Studienschwerpunkt, Data Mining und Algorithmen auf großen Datenbanken im Zusammenhang mit der Bioinformatik, zu machen. Um mein Studium abzuschließen fehlen mir nun meine Studien- und Diplomarbeit. Nur leider ist der Computer, den ich mir zum Anfang meines Studium geleistet habe mehr eine Bremse für mein Streben geworden denn ein Hilfsmittel. Ich würde mich freuen, wenn der Absolventa e.V. mich bei dem Kauf eines neuen Computers unterstützen würde. Vielleicht jene 400 Euro für ein Hilfsmittel, um eines Tages mit meiner Forschung und deren Berechnungen Leuten helfen zu können und sich dieser Förderbetrag auch für andere auszahlt.
Sebastian